Allergie-Schnupfen ohne Allergen


Im Schlaf gelernt …
Allergie-Schnupfen ohne Allergen

Allergisch gegen Tierhaare oder Birkenpollen? Dann heißt es besser Abstand halten, um keine Endlos-Schnieferei zu riskieren. Doch Pech gehabt: Bei manchen Allergikern geht es mit der Nieserei auch los, wenn gar keine Allergene in der Nähe sind. Der Grund: Das Gehirn hat falsch gelernt.

Birkenpollenspray im Versuchslabor

Wer allergisch auf Gräser, Birkenpollen oder Katzenhaare reagiert, ist irgendwann einmal auf dieses Allergen sensibilisiert worden. Bei erneutem Kontakt reagiert das Immunsystem und es geht los mit Nieserei oder Jucken. Viele Allergiker versuchen deshalb, das Allergen zu meiden. Doch offenbar lassen sich allergische Beschwerden auch ganz ohne Allergen auslösen. Dahinter steckt eine Konditionierung, wie Forscher der Universität Tübingen herausfinden konnten.

In einem Versuchsraum verabreichten sie Probanden mit Gräser- und Birken-Allergie das jeweilige Allergen per Nasenspray. Anhand eines Allergie-Scores wurde die Stärke der allergischen Reaktion (laufende und/oder verstopfte Nase, Niesen und Juckreiz) eingeschätzt. Außerdem maßen die Forscher im Nasensekret ein bei allergischen Reaktionen in der Nasenschleimhaut gebildetes Enzym (Tryptase). Nach der hervorgerufenen Allergie-Attacke wurde die eine Hälfte der Probandenschar für 8 Stunden zum Schlafen geschickt, die andere Gruppe musste bis zum kommenden Abend wach bleiben.

Wachgruppen-Nasen blieben ungerührt

Eine Woche später wurden die Probanden wieder in den gleichen Versuchsraum geladen. Und siehe da: Diejenigen, die nach der Allergenattacke schlafen gegangen waren, reagierten schon kurz nach Betreten des Versuchsraums mit allergischem Schnupfen — obwohl überhaupt keine reizenden Allergene vorhanden waren. Die Nasen der Wachgruppe blieben dagegen zu Recht völlig ungerührt.

Lernen im Schlaf

Wie beim klassischen Lernen spielte auch hier die Schlafphase eine entscheidende Rolle, erklären die Forscher. Den Allergikern, die nach der Exposition nicht geschlafen hatten, blieb der Versuchsraum unverdächtig. Anders bei denen, die direkt nach dem reizenden Nasenspray und ihren allergischen Beschwerden für 8 Stunden zu Bett geschickt worden waren. Hier nutzte das Gehirn den Schlaf zum Lernen — und verknüpfte den Versuchsraum mit der Allergenen-Exposition, sodass das Immunsystem später schon auf den bloßen Raum mit allergischen Beschwerden reagierte.

Erstaunlich dabei sei, wie schnell das ging: Schon eine Allergengabe in dem Versuchsraum und eine Schlafphase danach habe gereicht, die fehlangepasste Reaktion zu erlernen, betonen die Tübinger Psychologen.

Quelle: Ärzteblatt

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